Allaussöhnung
bezeichnet eine Auslegung der Bibel, nach der sich letztlich Gott mit den
Menschen und die Menschen sich mit Gott versöhnen werden, also eine
"gegenseitige Versöhnung" aller Geschöpfe mit dem Schöpfer stattfindet, die erst durch
die Kreuzigung und Auferstehung Jesu Christi möglich wurde. Die Sicht der Allaussöhnung steht im Gegensatz zur Lehre vom doppelten Ausgang ("Himmel und Hölle") bzw. der Höllenlehre.
Allaussöhnung ist nicht (völlig) identisch mit Allversöhnung,
christlichem Universalismus, Allerlösung oder Apokatastasis panton ("Wiederbringung Aller", WA) obwohl die Begriffe oft synonym
verwendet werden.
· ''Allaussöhnung'' - Der Begriff ''Allaussöhnung'' entstammt der neutestamentlichen Aussage, dass Gott in Zukunft "das All mit sich aussöhnen" wird. (Kol. 1:20). Zentral in diesem Zitat ist der Verb "aussöhnen von allem" (gr. apokatallasso pas: Strong 604) , im Gegensatz zu "versöhnen" (gr. katallasso) oder ''sühnen'' (gr. hilaskomai). "Apokatallasso pas" kann nach Wortteilen übersetzt mit "Herab-ab-ändern des Alls" wiedergegeben werden.
·
''Allversöhnung'' - Versöhnung ist im Unterschied zur Aussöhnung nur
einseitig und wird nach folgender Stelle als schon geschehen
betrachtet: "Denn wenn wir, als wir
Feinde waren [also als Nichtchristen], mit Gott durch den Tod Seines Sohnes
''versöhnt'' (gr. katallasso) wurden, wieviel mehr werden wir, nun versöhnt (gr. katallasso), in Seinem Leben gerettet werden!" (Römer
5:10). Von Aussöhnung kann demnach erst bei einer beidseitigen Versöhnung
gesprochen werden; Allversöhnung ist in diesem Sinn
die schon geschehene Vorbereitung der Allaussöhnung.
· ''Allerlösung'' - ist theologisch-inhaltlich mit Allaussöhnung gleichzusetzen, betont aber stärker, dass das Planen und Handeln Gottes nicht von der Reaktion des Menschen abhängt: Gott erlöst durch Offenbarung seiner selbst, der Mensch wird dadurch erlöst von alten Zwängen wie Endlichkeit und Sündenfolgen.[52]
Die Lehre der Allaussöhnung befasst sich mit dem Ausgang der Menschheitsgeschichte und sieht diese als Heilsgeschichte,
durch die Gott Sein Heil bewirkt.
Demnach ist die Allaussöhnung
geschehen, wenn sich erfüllt hat: "Alles hat sich Christus
untergeordnet" (1. Kor. 15:25-28, siehe auch Kol. 1:15-17; Eph. 1:9,10,20-23, Phil. 3:21), "damit in dem Namen
Jesu sich jedes Knie beuge" und jede Zunge huldige: "Herr ist Jesus
Christus, zur Verherrlichung Gottes, des Vaters" (Phil. 2:11, Jes. 45:23-24), was nur in Heiligem Geist möglich sei (1. Kor.
12:3). Jeder Mensch wird somit Jesus als Herrn erkannt haben, womit der Weg zu einer Aussöhnung frei ist. Darin kann man sich auf "den lebendigen Gott
verlassen, welcher der Retter aller Menschen ist" (1. Tim. 4:10, siehe
auch 1. Tim. 2:4 und 2. Petrus 3:9).
Die Allaussöhnung wurde
also erst durch den Tod und die Auferstehung Jesu möglich (was nur deswegen so
bedeutungsschwer ist): "Demnach nun, wie es durch die eine Kränkung Adams
für alle Menschen zur Verurteilung kam, so kommt es auch durch den einen
Rechtsspruch durch Jesu Tod für alle Menschen zur Rechtfertigung des
Lebens" (Römer 5:18; 1. Kor. 15:22). Das Handeln Gottes wird in diesem
Heilsverständnis als ausschlaggebend gesehen, und umschließt auch den
Widerstand der Menschen auf dem Weg hin zum Ziel (Römer 11:32).
Als Weg zu diesem Ziel Gottes wird für bis dahin ungläubig gebliebene
Menschen das letzte Gericht gesehen. Diese werden nach Offenbarung 20:11 ff.
auferstehen, um vor dem "großen weißen Thron" gerichtet zu werden,
entsprechend ihrer Werke (Offb. 20:13). ''Gericht''
wird dabei im Sinn einer "Ausrichtung", "Richtigens"
oder "Rechtmachens" als eine Maßnahme
gesehen, durch die nach göttlicher Rechtsnorm, aufgrund der Gerechtigkeit Gottes,
die Zurechtbringung des Menschen erfolgt (Psalmen 37:33, 82:3; Sach. 7:9; 5. Mose 16:18, Joh.5:22f.
Sie werden dort Jesus als Ihren Herrn erkennen können und glauben (=vertrauen)
Ihm damit. Nach diesem Gericht kommen sie in den "zweiten Tod: den See des
Feuers" (Offb. 20:15). Es wird darauf hingewiesen,
dass von Qualen für Menschen im Zusammenhang mit dem zweiten Tod in der Bibel
keine Rede ist (die Vorstellung einer Qualhölle ist unbiblisch, siehe Link). Oft
wird "Feuersee" dabei als Bild
für die reinigende Präsenz Gottes gesehen; denn in u.a.
Heb. 12:29 ist die Rede davon, dass Gott selbst "verzehrendes Feuer"
ist. Der zweite Tod aus dem Buch Offenbarung dauert den letzten Äon an (Offb. 21). Nach dem Abschluss aller Äonen wird auch dieser
Tod, als letzter aller Feinde Gottes, unwirksam gemacht (1. Kor. 15:26) und
somit dieser Zustand beendet. Dann wird Gott "alles in allen sein"
(1. Kor. 15:28).
Die grundsätzliche Sicht der Allaussöhnung hat im
Christentum durchaus Tradition, gleichwohl die biblische Begründung nicht immer
in allen Punkten gleich war; verbunden hat entsprechende Ausleger aber die
Ablehnung der Lehre der Hölle (endlose Qual) bzw. der Vernichtungslehre der
Zeugen Jehovas (endloser Tod, Annihilationismus). Von ihnen und Historikern wird auf die Ähnlichkeit der Höllenlehre in älteren heidnischen Kulten und Religionen hingewiesen, beispielsweise im Zoroastrismus, Manichäismus, Hinduismus und später Buddhismus, Islam und in dem noch bei der Entstehung des Höllendogmas sehr aktiven Mithraskults. Daher gehen sie von einer Übernahme dieser älteren, heidnischen Vorstellungen in das Lehrgebäude des Christentums aus und versuchen dagegen anzukämpfen.
Siehe ausführlich hier!
Einer der einflussreichsten Entwickler und Verbreiter einer "christlichen" Variante der Höllenlehre, der damit in Opposition zur Allaussöhnung stand, war der Rhetoriklehrer und "Kirchenvater" Augustinus (354-430) mit seinen Schriften "Augustinus magister" (Lehre exklusiver Gnadenerwählung) und "Vom Gottesstaat" (Buch 21, spez. Kap. 17 mit Verwerfung des Origenes): Im "Gottesstaat" verbreitete Augustinus im Kern die heidnische Weltreligion des Manichäismus (von dem Babylonier Manus entwickelt), deren Anhänger Augustinus 9 Jahre lang war: Das Universum sei kurz nach dem Beginn in Gut und Böse (bei Augustinus: gefallene und gut gebliebene Engel) zweigeteilt (Dualismus) und wird in den guten Ursprungszustand wieder zurückkehren (wiederum geprägt vom kreisförmigen, zyklischen Denken der Gnosis und des Neuplatonisimus). Die Zahl der Menschen, die in den Himmel dürfen, entspricht daher der Anzahl der abgefallenen Engel; der Rest der Menschheit ist zur Hölle verdammt [37, S.46]. Diese deutlich unbiblische Irrlehre wurde im Wesentlichen auch von Calvin übernommen. Augustinus lieferte sogar Argumente, die gedachte endlose Quälerei sogar mit der Bibel zu rechtfertigen, die bis heute verwendet werden. Beispielsweise behauptete er, dass die äonische Strafe (irreführend oft mit "ewiger Qual" übersetzt, die aber äonischer Tod ist: Offb.20:5) aus Matth. 25:46 endlos sei, da das gleich bezeichnete äonische Leben auch endlos sei (richtig ist aber, dass beides zeitlich begrenzt ist). Außerdem stellte er die abstruse Theorie (genannt "Erbsündenlehre") auf, dass jeder Mensch "Mittäter" beim Sündenfall des Adam gewesen sei und deswegen auch eine endlose Höllenstrafe für jeden Menschen gerechtfertigt sei (was der schlechten lateinischen Übersetzung der Vulgata zuzuschreiben ist, die Römer 5:12 mit "Sünden in statt durch Adam" übersetzte - Augustinus beherrschte kein Griechisch) und dann durch die Geschlechtslust mit der Zeugung auf jeden Menschen übertragen wird [37, S.84; 38, S.198]. Biblisch dagegen ist, dass durch Adam der Tod vererbt wurde (der zur Sünde führte: Römer 5:12), was aber gerechterweise auch wieder durch Jesus aufgehoben wird (Römer 5:18, 1.Kor.15:22).
Er meinte auch, dass Gerichte bei Gott nur strafenden, sinnlosen Charakter haben würden und nicht der Besserung dienen [36, S.83], was unhaltbar ist (Jes. 1:27, 26:9, Ps.82:3; Sach.7:9; 5.Mose 16:18; Ps.37:33, Joh.5:22f., 1. Kor. 11:31).
Die Sicht der Apokatastasis wurde dennoch so stark, dass Kaiser Justinian I. sich genötigt sah, ihr Fortwirken 543 mit dem 5. Ökumenischen Konzil zu unterbinden. In dem dort aufgestellten Verdammungsedikt wurde unter die gesamte antiaugustinische Theologie des Origenes, die auch die Apokatastasis beeinhaltete, auf der Synode von Konstantinopel verflucht: Wenn
einer sagt oder meint, die Bestrafung der Dämonen und der gottlosen Menschen
sei zeitlich und werde zu irgendeiner Zeit ein Ende haben oder es werde eine Wiedereinbringung von Dämonen oder gottlosen Menschen
geben, der sei verflucht. Im zweiten Konzil von Konstantinopel 553 wurde das
bestätigt: "Wer behauptet, die himmlischen
Mächte, alle Menschen, der Teufel und die bösen Geister würden sich
[schließlich] mit Gott untrennbar [wieder] vereinen, so wie jener göttliche
Geist, den sie Christus nennen, der von göttlicher Gestalt war und sich, wie
sie sagen, entäußerte [Phil. 2,6 f], und dadurch werde es ein Ende des [jetzt
noch gespaltenen] Königtums Christi geben - den treffe der Bannfluch!" Auch im Athanasianum wird Andersdenkenden mit "ewigem
Feuer" gedroht. 1439 behauptete das Konzil von Florenz, dass "niemand außerhalb der katholischen Kirche, weder Heide noch Jude, noch Ungläubiger (Islam) oder ein von der Einheit der Kirche Getrennter des ewigen Lebens teilhaftig wird, vielmehr dem ewigen Feuer verfällt". Erstaunlich ist, dass sich Luther von diesem dogmatisch-gesetzlichen Glaubensverständnis mit drastischen Strafandrohungen, das dem Kontext der Bibel und dem Geist der Reformation deutlich widerspricht, nicht trennen konnte. Viele lutherische und potestantische Gemeinden verwenden dieses "Bekenntnis" allerdings auch nicht.
Die von Augustinus gelehrte Verdammnis der ungetauften Kinder war so töricht, daß diese Lehre schon nach kurzer Zeit aufgegeben werden mußte. Sie hatte bereits die Mütter seiner Diözese zur Verzweiflung gebracht. Heute wird gelehrt, daß die ungetauften Kinder in die 'Vorhölle' kommen (was allerdings ebenfalls jeder biblischen Grundlage entbehrt), wo sie keinen Leiden ausgesetzt sind, aber nicht in den Himmel kommen können.
Damit war das Schicksal der Lehre von der Erlösung aller Menschen in der westlichen Kirche für lange Zeit besiegelt.
Auch die Reformatoren ingesamt wollten sich nicht mehr von der Höllenlehre trennen (Confessio Augustana von 1539, art. 17; Confessio Helvetica posterior von 1566, art.7). Somit hatte die Kirche hunderte von Jahren hinweg durch Zensur, die Drohung mit Exkommunikation und damit zwangsweise folgender Höllenqualen ein Druckmittel in der Hand, um von Bauern den Zehnten und von Kaisern politische Zugeständnisse abzupressen.
An den ewigen Höllenstrafen hält die katholische Kirche, seit im Mittelalter Papst Innozenz IV. offiziell diese Lehre gelehrt hat, bis heute fest. Vor dem 2. Vatikanum konnte man in der katholischen Literatur für die Rechtfertigung dieser Lehre die absonderlichsten Begründungen finden. "Zeitliche Belohnung oder Strafe", schreibt z. B. Josef Staudinger (1950), "allein wäre unwirksam. Daher muß die göttliche Sanktion im Ewigen liegen."
Hier findet man wieder den pädagogischen Gesichtspunkt des Kirchenvaters Hieronymus, zur Abschreckung vor der Sünde müsse man die Lehre von der ewigen Hölle vertreten. Staudinger fährt dann fort und steigert seine heillosen Vorstellungen, die kirchenamtlich aber anerkannt wurden, ins Extrem: "Ja, selbst die Liebe und Barmherzigkeit fordert, so sonderbar dies klingen mag, die ewige Hölle. [...] Von der verzehrenden Glut des göttlichen Hasses können wir uns keinen Begriff machen..." Er meint außerdem, "daß die Hölle sich an einem bestimmten Ort befindet, ist zweifellos" und "das Höllenfeuer ist als wahres und wirkliches Feuer zu denken". Die damaligen Theologen behaupteten, alles ganz genau zu wissen, und so spricht Staudinger vom "Prasseln und Zischen der Flammen und dem Aufheulen der Verdammten". Das ist ganz der Stil der Mönche, die bei sogenannten Volksmissionen bis in die dreißiger Jahre unseres Jahrhunderts von den Kanzeln ein leichtgläubiges Volk in Schrecken versetzten.
Katholische Autoren scheuen sich nicht, die Eigenschaften Gottes zu pervertieren, und lassen statt Gottes Liebe, die sein Urwesen ist, den "Hass" dominieren. Es ist sogar Lehre der katholischen Kirche, dass wer die Liebe, Güte und Barmherzigkeit Gottes höher stellt als seinen "Hass" und deshalb an keine ewigen Höllenstrafen zu glauben vermag, selbst bereits zur ewigen Höllenstrafe verdammt ist.
Kann eine Kirche, die das Bild Gottes so verzerrt, heute noch erwarten, daß die Menschen ihren Lehren Glauben schenken? Die Kirchenmänner suchen die Gründe des Abfalls überall, nur nicht bei sich selbst. Man kann sich nur dem Urteil des evangelischen Bischofs Schjelderups, der einem fanatischen Pastor entgegentrat, anschließen. Er sagte: "Ich bin froh, daß am Jüngsten Tag nicht Theologen und Kirchenfürsten, sondern der Menschensohn uns selbst richten wird. Und ich zweifle nicht daran, daß die göttliche Liebe und Barmherzigkeit größer ist als die, die in der Lehre von der ewigen Pein in der Hölle zum Ausdruck kommt..." und "Für mich gehört die Lehre von der ewigen Höllenstrafe nicht in die Religion der Liebe".
Offiziell gehört die unsägliche Höllenlehre auch noch zum Dogma der evangelischen Kirche, wird aber in der Predigtpraxis und wohl von den meisten Pfarrern kaum noch vertreten. Besonders aber in den sogenannten "fundamentalistischen" Kreisen einiger Freikirchen wird die Vergebung wirklich aller Sünden (inklusive der des Unglaubens) durch Jesus Christus immer noch verleugnet.
Nach Lehre vieler christlichen Gemeinden stellt Gott jeden Menschen mindestens einmal im Leben vor die Entscheidung, sich für oder gegen Ihn zu entscheiden. Sie meinen, wenn sich der Mensch dann bei der zuletzt getroffenen Entscheidung negativ entscheide, er unweigerlich die Folgen tragen müsse, die nach Anhänger der Höllenlehre ewige Höllenqualen sind. Würden dagegen alle Menschen trotz anderer Entscheidungen und Handlungen letzlich doch in die Gemeinschaft mit Gott geführt, würde der Mensch in seinem Willen nicht ausreichend respektiert werden. Ihre These lautet, dass Liebe auf beiden Seiten einen freien Willen erfordere. Dieser Auffassung liegt der Arminianismus zu Grunde, der von Arminius (geb. 1559 in Holland) durch die Auseinandersetzung mit dem Calvinismus entwickelt wurde und der als Ursprung für das Dogma des freien Willens gelten kann.
· Vertreter der Allaussöhnung bekräftigen dann auch, dass die Theorie des Freien Willens des Menschen im Widerspruch zur Allmacht Gottes steht. Sie meinen statt dessen, dass Gott Menschen beruft, die dann Gott erkennen könnten; d.h. dass kein Mensch jemals Gott ablehnt hat, dem Er sich offenbart hat. Die Rettung hängt in ihrer Auslegung der Bibel also nicht davon ab, ob der Mensch Gott (in einer angeblich freien Entscheidung) ausgewählt hat, sondern Gott ziehe jeden Menschen zu einem vorbestimmten Zeitpunkt zu sich. Der Mensch sei von Gott abhängig, nicht umgekehrt. Menschen können ihrer Meinung nach auch gar keinen freien Willen haben, da sie im Unterschied zu Gott kausal handeln, also alle Entscheidungen eine Ursache haben (die gottbestimmt sind), die aber zum Zeitpunkt der Entscheidung oft unbewußt sind, wodurch die Illusion eines freien Willen entsteht. Objektiv betrachtet sei nur Gott allein nicht kausal und daher kann nur Gott einen freien Willen haben. Sie fragen auch, was mit den vielen Menschen passieren soll, die von Jesus Christus in ihrem Leben nie oder nur verzerrt gehört haben oder die die Botschaft nicht verstanden haben, also für die angenommene Entscheidung nur eine mangelhafte Informationsgrundlage hatten.
Des Weiteren widerspricht nach Meinung der Anhänger der Höllenlehre das Verneinen einer
endgültigen Verdammung der Allmacht und dem Absolutheitsanspruch Gottes. Gott
würde gegenüber den Gottesleugnern und Gottesfeinden ohnmächtig werden. Diese
könnten gegen Gott sündigen und gleichzeitig Gott höhnen und sagen, er müsse
sie zuletzt doch in seinen Himmel aufnehmen.
· Vertreter der Allaussöhnung sagen dazu, wenn die Bibel sagt, dass Gott "will, dass alle Menschen gerettet werden" (1. Tim. 2:4), Gott dies auch mit jedem Menschen erreichen wird. Gottes Allmacht zeige sich gerade darin, dass Er auch durchführen kann, was Er sich vorgenommen hat. Außerdem entspricht es Gottes Eigenschaften, dass er sich allen seinen Geschöpfen gegenüber barmherzig und gnädig verhält (denn niemand kann sich selbst retten). Sie verweisen beispielsweise auf Römer 9, wo ausgesagt wird, dass selbst Gotteslästerer wie Pharao, in ihrer Ablehung von Anweisungen dennoch Gottes Wille durchgeführen müssen. Sie fragen außerdem, ob es mit Gottes Gerechtigkeit zu vereinbaren ist, wenn Gott Menschen für Sünden, die maximal ein Menschleben dauern können, eine endlose grausame Strafe anordnen würde.
Anhänger der Höllenlehre sind besorgt, dass die Motivation der Missionare erlahmen könnte, denen das Christentum zu bringen, die sonst Gott nicht kennenlernen würden. Wozu sollte man das Evangelium predigen, wenn ohnehin alle erlöst werden und niemand vor einer Hölle bewahrt werden müsste?
·
Dem entgegnen Anhänger der Allaussöhnung
mit der Frage, ob die Erwartung eines bösen Endes für einen Teil der Menschen
überhaupt eine geeignete Motivation sei, anderen Menschen einen liebenden Gott
nahe zu bringen. Sie meinen außerdem, dass auch mit der Drohung einer Hölle
(die oft nicht mehr direkt ausgesprochen wird) Menschen nicht dazu gebracht
werden können, Gott zu lieben. Betrand Russell meinte
stellvertretend in "Warum
ich kein Christ bin": Ich muß sagen, daß diese ganze Lehre vom Höllenfeuer als Strafe für die
Sünde eine grausame Lehre ist. Sie hat Grausamkeit in die Welt gebracht und für
Generationen unbarmherzige Folgen. Vertreter der Allaussöhnung
sehen sich natürlich auch in der Pflicht, anderen Menschen die wirklich frohe
Botschaft von einem liebenden Gott nahezubringen -
darin sehen sie sich aber als Werkzeuge Gottes, um die Allaussöhnung
zu erreichen. Die Motivation aber, andere vor einer "Hölle" zu
bewahren, sehen sie nicht als zielführend an. Auch kirchengeschichtlich ist die Behauptung abwegig, denn zu den ersten deutschen Missionaren überhaupt gehörten Pietisten (z.B. Johann Martin Mack, 1715-1784 oder Christian Gottlob Barth, 1824-1838), die die Höllenlehre als unbiblisch ablehnten [33; S.162,242].
Kritiker der Allaussöhnung weisen außerdem auf die ihrer Meinung nach vielen Bibelstellen im Neuen Testament hin, wo von einer Scheidung zwischen Gerechten und Ungerechten gesprochen würde - Gerechte würden das "ewige" Leben erhalten, während alle anderen dann in einer Hölle "ewig" gequält werden müssten. Ebenso meinen sie, dass eine Läuterung nach dem Tod biblisch nicht belegt ist. Weiter behaupten sie, dass die Allaussöhnung zwar Gottes Liebe betone, aber seine Heiligkeit und seine Gerechtigkeit ganz in den Hintergrund stelle.
·
Gottes Gerechtigkeit, so verweisen Anhänger der Allaussöhnung, darf nicht mit primitiven menschlichen Rachegedanken verwechselt werden, sondern geht tiefer. Wenn stimmt, was die Bibel sagt, dass Gläubige ganz passiv von Gott "vor dem Niederwurf der Welt auserwählt" (Eph 1:4) werden, Gott sie lediglich "vorgezogen hat zur Rettung" (2. Thess. 2:13) und dass die, "die Er vorherbestimmt, auch beruft; und die Er beruft, auch rechtfertigt" (Römer 8:30), wäre es ungerecht, wenn er diejenigen, die nicht schon während ihres Lebens berufen wurden, dafür auch noch endlos gequält werden, wie die Höllenlehre behauptet. Die Sünde kam ja auch laut den Aussagen der Bibel durch Adam in die Welt, also passiv für alle nachfolgenden Menschen, ohne dass die Menschheit dafür etwas konnte. Die Bibel sagt daher gerechterweise, dass genauso passiv die Macht der Sünde gebrochen wird: "Demnach nun, wie es durch die eine Kränkung [Adams] für alle Menschen zur Verurteilung [zum Tod] kam, so kommt es auch durch den einen Rechtsspruch [durch Jesu Tod] für alle Menschen zur Rechtfertigung des Lebens" (Rö. 5:18; 1. Kor. 15:22, Gal. 2:16).
Wenn außerdem in den Evangelien von "ewigem Leben"
oder "ewiger Strafe" die Rede ist, weisen sie darauf hin, dass im
Grundtext der Zeitbegriff "äonisch"
verwendet wird (der mit "endlos" bzw. "ewig" somit falsch
übersetzt wurde), den sie auf bestimmte Äonen beziehen. Nach dem Tod kann daher sehr wohl eine Zurechtbringung stattfinden.
Eine Bemerkung, die außerdem oft zu hören ist, lautet: "Allaussöhnung entspricht doch sehr menschlichen Wünschen und Sehnsüchten".
·
Diese Meinung ist bei näherer Betrachtung ein Trugschluss: Unseren natürlichen Wünschen entspricht doch vielmehr, uns abzugrenzen von anderen und besser dastehen zu wollen. Es gefällt dem Menschen sehr zu denken, dass er als Einzelner gerettet wird und die anderen, die nicht so sind, bestraft werden. Wer sich statt dessen von Herzen wünscht, ja eine Sehnsucht danach hat, dass alle gerettet werden, der hat sich als dieser Einzelne überwunden. Dieser Mensch durfte dann seinen natürlichlichen Egoismus bezwingen. Begreift man dagegen sein eigenes Christsein als mühsames Halten von Regeln, als eine Reihe von Entsagungen mit neidischen Blicken auf die, die so leben "dürfen", wie man es selber gerne machen würde, der wird die Allaussöhnung ebenfalls als unmöglich ansehen. Denn dieser denkt insgeheim, dass man sich den Himmel erarbeiten muss. Der Übeltäter und Ignorant aber, der sich dem verweigert, darf doch nicht irgendwann genauso von Gott geliebt werden, wie man selbst! Dann wäre das eigene Abmühen doch umsonst gewesen, und das kann nicht sein! Das versteht der natürliche Mensch unter Gerechtigkeit.
Den Geist der Versöhnung dagegen hat der Mensch, dem seine Familie ermordet, sein Haus abgebrannt und all seinen Besitz genommen wurde und der dem Täter trotzdem die Versöhnung durch Gott wünscht. Das kann der natürliche Mensch nicht - denn der würde hoffen, dass der, der ihm Übles getan hat, nie mit Gott versöhnt würde, sondern in einer Hölle bei möglichst großen Qualen ewig schmoren möge. Sich statt dessen Allaussöhnung wirklich zu wünschen, kann nur das Ergebnis des Wirken Gottes im Menschen sein und ist oft erst als reifer Christ möglich. Niemand schüttelt das aus dem Ärmel, denn der Gedanke der Aussöhnung aller Menschen mit Gott widerspricht der Natur des Menschen. Ohne jeden Bibelvers würde jeder Mensch sofort die Allaussöhnung verwerfen. Wer also die Allaussöhnung nicht wahr haben will, ist oft ohne Anstrengung seinem natürlichen Reflex gefolgt.
Dieser Artikel ist größtenteils der Onlineenzyklopädie wikipedia.de entnommen.
Heinz Schumacher: Das biblische Zeugnis von der Versöhnung des Alls
Prof. Ernst F. Ströter: Das Evangelium von der Allversöhnung in Christus
Evangelisches Sonntagsblatt Bayern: Versöhnung ist allumfassend
Evangelisches Gemeindeblatt für Württemberg: Jürgen Moltmann, ev. Theologe von Weltrang in Der Weg zum Himmel: "Die neue Welt Gottes ist der Himmel auf Erden, und es gibt in ihr keine Unterwelt des Todes und der Hölle mehr", Teil 2, 3, 4
Dekanat Hof: Höllenlehre ist Unglaube im frommen Gewand
Vortrag (mp3) von Andreas Schäfer, Leiter der Bibelkonferenzstätte Langensteinbacher Höhe, zum Thema "Alles versöhnt?!": Teil 1,
2, 3 und
4.
Ein ev. Kirchenbote: Höllenlehre hält sich nicht, weil gemeint wird, dass sie biblisch ist...
Kirche+Welt (Zeitschrift der Evanglisch-Methodistischen Kirche): Die Hölle ist leer!
Deutsche Artikel auf einer amerikanischen Internetseite zum Thema Allaussöhnung
Aus Taizé: Muss ein Christ an die Hölle glauben?
Hans Urs von Balthasar, der einflussreiche katholische Theologe, nähert sich mutig der Sicht der Allversöhnung/Apokatastasis an (ab S.8). Respekt!
Gregor Dalliard, exkommunizierter kath. Priester (Autor von Ich durfte nicht mehr Priester sein, clv) zum Thema: Jesus rettet wirklich alle Menschen.
Ewige Hölle? Ein Mythos! (mit Chat!)
Ein Blog zum Thema Apokatastasis
Das unbiblische, jüdische Buch Henoch - eine Grundlage für den Horror der Höllenlehre im Juden- und Christentum
TAZ MAG: Die Hölle in der "Göttlichen Komödie" von Dantes entspringt muslimischen Legenden - letzlich aber wohl den Mandalas des Hinduismus mit den bunten Bildern von Himmel und Hölle.
[2] Petry, Paul: Allaussöhnung, Tod und letzte Dinge, 3. Aufl., Pforzheim: Konkordanter Verlag Pforzheim, 1986
[8] Michaelis, Wilhelm Prof.: Versöhnung des Alls - Die frohe Botschaft von der Gnade Gottes, Grümlingen/Bern, Verlag Siloah, 1950
[9] Ströter, Ernst F.: Das Evangelium Gottes von der Allversöhnung in Christus, Philemon Vlg., Mühlheim, 2002
[24] Prof. Alan E. Bernstein: The Formation of Hell: Death and retribution in the ancient and early Christian worlds, Cornell University Press, Ithaca/New York, 1993
[25] Turner, Alice K.: The History of Hell , Harcourt Brace & Company, New York/San Diego/London, 1993 (Zur Legendenbildung der "Hölle"; angefangen vom Gilgameshopus und Zoroastismus in der Vorzeit bis hin zum unheilvollen Einzug in die heutige Theologie)
[26] Dearmer, Percy: The Legend of Hell, Nisbet & Co., London, 1932 (A Examination of the doctrine of everlasting punishment in the light of modern scholarship)
[36] David Hilborn (Hrsg.): Die Wirklichkeit der Hölle, 2004, Brunnen Verlag (Ergebnis einer engl. Arbeitsgruppe in der Evangelischen Allianz: Hilflose, aber einigermaßen sachliche Verteidigung der Höllenlehre - letztlich mit dem Kernargument der Tradition -S.172-, denn weder Gehenna -S.69-, Hades -S.72- noch Feuersee -S.77- können für die Höllenlehre herhalten).
[46] Hartmut Rosenau: Allversöhnung - Ein Transzendentaltheologischer Grundlegungsversuch, Gruyter Verlag, Berlin/New York, 1993
[47] Hans Urs von Balthasar: Kleiner Diskurs über die Hölle, Johannes Verlag Einsiedeln, 1999 (Der bekannte katholische Theologe nähert sich vorsichtig der biblischen Lehre der Allversöhnung)
[48] Hermann Schell: Gott und Geist, Minerva-Verlag, 1969 (Werk des katholischen Dogmatikers, das wegen der Tendenz zur Apokatastasis auf den Index gesetzt wurde.)
[49] Friedhelm Groth: Die "Wiederbringung aller Dinge" im württembergischen Pietismus, Göttingen, 1983
[50] Jürgen Moltmann: Das Kommen Gottes: Christliche Eschatologie, Gütersloh, 1999 (Der renommierte ev. Theologe erwartet, dass Jesus im Endgericht die Feindschaft und nicht die Feinde "tötet", sondern diese durch die Kraft seiner Liebe verwandelt).
[52] Christine Janowski: Allerlösung, Neukirchener Verlag, 2003 (Annäherung an eine entdualisierte Theologie - Hrsg. von Wolfgang Huber, Bertold Klappert, Hans Kraus, Jürgen Moltmann und Michael Welker).
[53] Gerhard Müller: Theologische Realenzyklopädie: Vernunft III - Wiederbringung aller, Walter de Gruyter & Co, 2000 (Voransicht; ab S.774).
[54] Jens Adam: Paulus und die Versöhnung aller: Eine preisgekrönte Doktorarbeit und Studie zum paulinischen Heilsuniversalismus, Neukirchener Verlag, 2009